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Eine gute Ernte!? Woher kommt eigentlich unser Segen?

„sagt allezeit Gott, dem Vater, Dank für alles, in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus;“ Epheser 5,20

Wir reden oft darüber, wie wichtig Dankbarkeit ist. Jesus hat am Kreuz alles für uns gegeben. Das müsste schon ausreichen, damit wir jeden Morgen dankbar aufstehen. Aber die Realität in unserem Kopf sieht meistens anders aus. Wir haben jeden Tag die Wahl: Sind wir dankbar für das, was wir haben, oder suchen wir uns genau das Eine raus, worüber wir uns aufregen können?


Gerade heute meckern wir unheimlich schnell. Wenn wir einkaufen gehen, ärgern wir uns, weil alles so teuer geworden ist. Und ja, das stimmt auch, die Preise an der Kasse sind oft wirklich heftig. Aber wenn wir ehrlich sind: Wir sind trotzdem noch meilenweit von echtem Hunger entfernt. Wir leben immer noch im Überfluss. Wir stehen vor vollen Regalen und haben eher das Problem, uns entscheiden zu müssen: Koche ich Nudeln oder Kartoffeln? Nehme ich Hähnchen- oder Rinderfleisch? Welches Obst oder Gemüse kaufe ich? Nicht alles wächst in unserem Land, vieles wird wie selbstverständlich zu uns importiert. Wir haben uns an diesen Luxus so sehr gewöhnt, dass er für uns ganz selbstverständlich geworden ist. Wir merken oft gar nicht mehr, wie verwöhnt wir eigentlich sind.

Wie schnell man diese Dankbarkeit verliert, habe ich vor einiger Zeit selbst erlebt und mich danach wirklich geschämt: Ich war mit meinem Onkel im Auto unterwegs nach Georgien, eine Tour von über 4.000 Kilometern für das Missionswerk. Irgendwo in der Türkei haben wir uns an einer Raststätte den Magen so richtig verdorben. Uns ging es schlecht, aber wir hatten Zeitdruck und mussten weiterfahren. Anhalten ging nicht und die paar Apotheken an der Strecke hatten alle zu. Wir haben uns also einfach durchgequält. Das führte dazu, dass wir fast zwei Tage lang überhaupt nichts essen konnten. Ich glaube, ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie so einen krassen Hunger. Als wir endlich in Georgien ankamen, dachte ich nur: Jetzt gibt es endlich was Richtiges zu essen, um den Bauch vollzukriegen. Aber dann wurde aufgetischt: Cholodez (kalte Sülze). Für die Menschen dort eine absolute Delikatesse. Sie wollten uns wirklich ihr Bestes geben. Aber für mich war es in dem Moment das Schlimmste. Ich bekam es einfach nicht runter. Und so bin ich nach fast 2 Tagen Hungern mit knurrendem Magen und nur ein paar Brotstücken ins Bett gegangen. Da habe ich mich selbst ertappt. Ich dachte, ich sterbe vor Hunger, aber lasse das Essen stehen, nur weil es mir nicht schmeckt.


Viele Menschen auf der Welt wissen abends nicht, wie sie ihre Kinder satt bekommen sollen. Und ich streike, weil das Essen nicht nach meinem Geschmack ist.


Wir haben es verlernt, was echter Mangel überhaupt bedeutet. Wir müssen uns wieder klarmachen: Nicht der Supermarkt oder unser Geld auf der Bank versorgen uns, sondern Gott schenkt uns den Segen.

Aber was bedeutet „eine gute Ernte“ eigentlich heute für uns? Die meisten von uns sind keine Bauern und holen ihr Essen nicht selbst vom Feld. Eine gute Ernte heißt für uns heute im Alltag, dass wir Arbeit haben, dass unser Lohn auf dem Konto ist und wir gesund genug sind, um unser Leben zu meistern. Es bedeutet aber vor allem, dass Gott den Landwirten, egal ob hier bei uns oder in den vielen Ländern, aus denen wir unser Essen importieren, das richtige Wetter schenkt. Ohne den passenden Regen, Sonnenschein und Gottes Segen würde uns das Geld auch nichts bringen, wenn es die Lebensmittel nicht gäbe.


Ein Beispiel: Stellt euch vor, du versprichst einer armen Familie, ihnen am nächsten Tag ein Mittagessen vorbeizubringen. Aber am nächsten Tag ist alles stressig, der Alltag kommt dazwischen und das Versprechen wird komplett vergessen. Plötzlich steht die kleine Tochter der Familie mit einem Korb vor der Tür. Sie will das Essen abholen und drückt dir einen kleinen Zettel der Mutter in die Hand. Da steht kein Vorwurf drauf, sondern einfach nur: „Danke von ganzem Herzen, dass du uns heute satt machst.“ Wer von uns würde es da übers Herz bringen, das Kind mit leeren Händen wegzuschicken und zu sagen: „Hab nichts da, komm morgen wieder“? Niemand!! Selbst wenn der eigene Kühlschrank total leer wäre, würde man sofort losfahren und einkaufen, um diesen Korb vollzumachen. Warum? Weil diese Frau so ein riesiges Vertrauen hatte, dass sie sich bedankt hat, noch bevor sie das Essen überhaupt gesehen hat.


Genau so ein Vertrauen wünscht sich Gott von uns. Wenn wir Menschen schon alles daransetzen, so ein Vertrauen nicht zu enttäuschen, wie viel mehr wird Gott zu seinem Wort stehen? Er sorgt für uns und schenkt die Ernte. Klar ist im Leben nicht immer alles einfach. Jeder macht mal schwierige Zeiten durch, hat Sorgen, oder ist krank. Aber in Epheser steht nicht: „Dankt Gott, wenn alles super läuft.“ Da steht: „Sagt allezeit Gott, dem Vater, Dank für

alles.“


Lasst uns in diesem Jahr das Erntedankfest nutzen, um einen Moment stehen zu bleiben und nachzudenken. Hören wir auf, uns über die Preise und andere Kleinigkeiten aufzuregen. Lasst uns wieder anfangen Gott für unser tägliches Essen und eine gute Ernte zu danken mit dem Glauben, dass er uns durch jede Zeit trägt und immer treu versorgt. Denn genau das meint dieser Bibelvers: Echter Dank gilt nicht bei den perfekten Umständen, echter Dank ist die innere Herzenshaltung. Gott hat uns in Jesus Christus bereits alles geschenkt. Vertrauen wir ihm, dass er uns auch im Alltag versorgt, und lasst uns aus tiefstem Herzen für die gute Ernte danken. AMEN

Jonathan Steinle


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